Blog   News   Magazin   Kontakt

zurück


Früchte des Zorns

Diana McCarty

Die Geschichte der Bananenvermarktung

Das perfekte Nahrungsmittel - Jeder liebt es und wir betrachten es als völlig selbstverständlich. Wer sinnt schon über die politischen Implikationen nach, die mit diesem Geschenk der Natur verbunden sind, während er dessen einladende Formen in der Hand hält und wer denkt an Che, wenn er die gelbe Schale abzieht? Während die Bananenkriege beendet sind - gerade rechtzeitig für diejenigen, die Soldaten und Kanonen herbeiwünschten - hat der wirtschaftliche Kampf, der auf den Schlachtfeldern des WTO ausgetragen wird, eine viel längere, blutigere Geschichte. Und es scheint auch gut zu passen, dass dieses Produkt frühen globalen Kapitals, der symbolische Ansporn zur politischen Revolte, sich plötzlich mitten in einem internationalen Wirtschaftshandel-Drama wiederfand, als die Art von Konfliktstoff, die alles einschliesst, von Kaschmirwolle bis Parmaschinken, Zoll und verlorenes Handelsgut in Millionendollarhöhe. Kurz vor den Bananenkriegen war die Banane eine Begrüßung für die Ex-DDR-ler, im frisch vereinten kapitalistischen Deutschland. Sie war ein wunderbares Symbol für die Früchte, die der Westen bieten konnte.

Dieselben Bananen, die also einerseits ein freundliches Willkommen vorspiegeln und bei rumänischen Landfesten als Luxusgüter gelten, sind die unrechtmäßig erworbenen Beutestücke einer Revolution des globalen Kapitals. In der Produktion dieser Ware, die auf jedem Kontinent anders auftrunpft, liegt der Schweiss des lateinamerikanischen Plantagenarbeiter, der auf einen Boden fällt, der für Rebellion sehr empfänglich ist. Eine umgedrehte Banane ist noch immer eine Banane - wie also wurde Chiquita zu einem Symbol kapitalistischer Wünsche, während das eigentliche Produkt an einer Pflanze wächst, in deren Schatten ein grundlegend anderer Konflikt ausgetragen wird?

Natürlich fing das alles viel früher an, bevor es die Eisenbahn in Costa Rica gab - Aber hier beginnen wir mit unserer Geschichte. Think industrial! Eine Eisenbahn bedeutete dort, wie anderswo, eine Menge billiger Arbeit und wie überall wurden Arbeitskräfte aus ärmeren Ländern angworben. Und üblicherweise müssen diese schlechtbezahlten Arbeiter ernährt werden. Hier kommt die Banane ins Spiel (um die herum sich allmählich ein hübscher kleiner Luxusgütermarkt in den USA entwickelte), die wie die meisten Arbeiter aus Jamaica importiert wurde. Wenig Fett, viel Kalzium, randvoll mit Kohlenhydraten, einfach die perfekte Nahrung für einen Schwerarbeiter. Und noch mehr für den neuen transnationalen Schwerarbeiter. Das hier ist auch die Geschichte des frühen globalen Kapitals und die damalige »Boston Fruit Company« verkaufte ziemlich viel Obst. Aber es ging ihnen auch um Vernetzung und Kommunikation und sehr stark um vertikale Integration.

Die »Boston Fruit Company« wurde 1871 gegründet, erlebte mehrere Fusionen, kaufte noch mehr Land auf, und wurde schließlich zu »La Frutera«, der größten Bananenfirma der Welt, in deren Besitz oder Entscheidungsgewalt Plantagen in Kolumbien, Costa Rica, Kuba, Honduras, Jamaica, Nicaragua, Panama und Santo Domingo liegen. Sie wurde »United Fruit Company« genannt und die 41 Schiffe, die sie besaß oder geleast hatte, waren unter der Bezeichnung »Große Weiße Flotte« bekannt. Die Firma besaß auch Eisenbahnstrecken, 112 Meilen, die die Plantagen mit Häfen verbanden. Von hier aus verkaufte UFC Früchte, baute Eisenbahnen, Post und Telegrafennetze über ganz Lateinamerika. Ein paar Jahre lang kontrollierte »La Frutera« zum Beispiel alle Transport- und Kommunikationsmittel in Guatemala. Back Home war »United Fruit« damit beschäftigt, zusammen mit General Electric, Westinghouse und AT&T die »Radio Corporation of America« (RCA) zu bilden, die dann wieder die »American Broadcast Corporation« (ABC) und die »National Broadcast Corporation« (NBC) bildete. Kein Wunder, dass jeder Bananen liebt.

Gleichzeitig erwarb die Banane schnell den Status als beliebteste Frucht in den USA. Noch 1876 waren es sehr wenige Amerikaner, die sie, in Silberfolie gewickelt, auf der Weltausstellung von Philadelphia probiert hatten. Bereits 1910 hatte sich die Situation geändert, die Frucht erfreute sich beispielloser Popularität in den USA. Das hat sich bis heute nicht geändert - abgesehen von den paar Jahren im Zweiten Weltkrieg, als die amerikanischen Bananenboote zu Kriegszwecken eingezogen wurden. Im Jahr 2001 waren Bananen die beliebtesten Früchte der Welt, die meisten von ihnen wurden aus Lateinamerika importiert. Im Laufe des letzten Jahrhundert haben sie sich zu einem milliardendollarschweren Geschäft entwickelt, ein wesentliches Element ganzer lateinamerikanischer Wirtschaftskreisläufe. Gleichzeitig gab es eine ganze Menge offener und verdeckter US-amerikanischer Militär- und Wirtschafts-Interventionen in Zentral- und Südamerika. Gabriel Garcia Marquez' »100 Jahre Einsamkeit« bezieht sich auf das Massaker an Hunderten von streikenden »United Fruit«-Arbeitern 1928. Das von der U.S.-Regierung unterstützte Militär von Kolumbien wurde mobilisiert, um Leute zu töten, die Toiletten und Barzahlung forderten.

Einige Jahre später, 1933, stellte »Nice-Guy«-Roosevelt die »Good Neighbour Policy« vor. Damit war das »Platt Agreement« abgelöst, Haiti und Kuba wurden aus der politischen Kontrolle der USA entlassen. Und es bedeutete ein Ende der militärischen Interventionen der USA in Lateinamerika. Stattdessen sollten die Nachbarn im Süden mit freundschaftlichen Investitionen überzeugt werden. Diese wuchsen sich zu größeren wirtschaftlichen Investitionen und zu schlimmeren verdeckten Interventionen aus. Hundert Jahre US-amerikanischer Einmischung in die politische Geschäfte Lateinamerikas führte zu dem (von der CIA gesteuerten) Umsturz der demokratisch gewählten Regierung von Guatemala 1954. Jacobo Arbenz Guzmán war auf der Grundlage einer Landreform in sein Amt gewählt worden. United-Fruit-Plantagen (in amerikanischem Besitz) wurden beschlagnahmt und für den Wert, der auf den Steuerbescheiden stand, verkauft. Es war die Mc-Carthy-Ära und überall sah man Kommunisten. Ganz besonders verdächtig waren Bananenplantagearbeiter, die rote Toiletten forderten. Gute Nachbarn waren besser keine Kommunisten und so verlor sogar Carmen Miranda ihren Job. Ein halbes Jahrhundert später wurden dem honduranischen Arbeiteraktivisten Medardo Varelo zwei Kugeln in den Kopf geschossen. Erst im Frühling 2001 unterzeichnete Chiquita das historische »Freedom of Association, Minimum Labour Standards and Employment in Latin American Banana Operations Agreement«. Die Arbeiter dürfen sich jetzt versammeln, um Streiks vorzubereiten - für Toiletten, Barzahlung, Schutzkleidung und andere Wohltaten.

Erst vor kurzer Zeit ging zu Ende, was als »War without bodies« bezeichnet wird. Teilnehmer dieses Kriegs waren die USA, die sich mit der EU darüber stritt, wer von wo wie teuer Bananen importieren darf. In Kurzversion: die EU behandelte Bananenimporteure aus ihren ehemaligen Kolonialländern bevorzugt, indem sie beispielsweise zollfrei einführen durften. Die großen Bananenmarken, alle amerikanisch - Dole, Chiquita und Del Monte, die zusammen zwei Drittel des Weltbananenmarktes kontrollieren -, fragten in Washington ebenfalls um Vergünstigungen nach. Die Telefonrechnung dieser Verhandlungen betrug mehr als zwei Millionen Dollar in Parteispenden. Inzwischen ist der sechs Jahre währende Streit vorbei. Am 11. April 2001 unterzeichneten die USA und die EU einen Vertrag. Was dabei nicht bedacht wurde: In der Karibik und in Afrika wird in einem kleineren, kostspieligeren Rahmen produziert, unter Bedingungen, die die steigende Forderung nach organischen, Fair-Trade-Produkten in Europa berücksichtigt. Und es geht noch weiter. Die Schlachtpläne der Unternehmen und der Länder haben sich bereits auf Rindfleisch und Getreide konzentriert - Hormone und GMO's.
Starship Nummer 5, Seiten 75ff


zurück